IRAN

schlagartig verändert sich die landschaft . felszacken ragen wie zähne rechts und links empor .
wir fahren flussaufwärts mit rückenwind . auf der anderen seite ist die grenze stark bewacht .
armenische und aserbaidschanische soldaten haben sandsäcke und ölfässer gestapelt , dahinter bewegen sich köpfe . sie winken und pfeiffen und wir zurück .
irgendwann biegen wir ab , weiche gesteinsformationen in leuchtenden rottönen breiten sich vor uns aus .
die goldene kuppel der ersten moschee auf unserem weg blitzt in der sonne .
was erwartet uns in diesem land ? zugegeben , wir sind nicht ohne skepsis , dennoch zuversichtlich eingestellt .
anna-lea trägt jetzt widerwillig kopftuch und die hose lang .
in der kargen landschaft finden wir eine oase und schlagen unser erstes nachtlager unter obstbäumen auf .
über schlafgelegenheiten brauchen wir uns im iran keinerlei gedanken zu machen .
zelten im stadtpark ist auch bei den einheimischen beliebt und oft mit einem picknick inklusive wurfzelt und samowan verbunden .
einladungen sind an der tagesordnung: zum chai , essen oder eben übernachten .
wir wissen von dem persischem taarof , einer art verhaltensregel , nach der ein angebot mehrmals von uns ablehnt werden muss , bevor
klar ist , dass es der einladende wirklich ernst gemeint hat .
manchmal sind die sympatien groß und wir nehmen an , geniessen die familiäre gastfreundschaft und erhalten so einblick in die unterschiedlichsten lebenswelten .
begegnungen wie momentaufnahmen , trotzdem intensiv , wirken sie noch lange nach.
moscheen sind ebenfalls orte , an denen reisende immer aufgenommen werden . einmal nimmt uns sogar der mullah kurzentschlossen mit nach hause .
zum frühstück pflückt er uns maulbeeren aus seinem garten .
die abschiede sind herzlich und wir ziehen immer gut gestärkt und mit reichlich gefüllten proviantbeuteln weiter .
wir entscheiden uns wie gewohnt für die kleinen straßen und merken schnell , dass es schwierig ist sich im iran zu verfahren - leute halten mit dem auto neben uns , um sich zu vergewissern , dass wir richtig sind .
die fürsorge ist rührend . wir erfahren unerwartete offenheit . menschen , die sich bedanken , dass wir uns für ihr land interessieren.
wir lächeln in zahllose handykameras , soziale vernetzung ist wichtig in der iranischen gesellschaft . schnell werden telefonnummern
getauscht und wir chatten mit gerade noch fremden in gebrochenem englisch . oft wird kritik an der regierung laut und wir spüren die allgegenwart der
totalitären machthaber : das internet funktioniert nur langsam und viele seiten sind zensiert . kameras in hostels und cafes , die sittenpolizei schaut zu .
doch es findet sich immer ein weg : die zensur wird umgangen und das kopftuchsitzt auch gerne mal lose auf dem hinterkopf .

wir kämfen uns über die berge in richtung täbris . der basar von täbris soll der schönste weltweit sein und wir sind fasziniert von diesem pulsierenden
mikrokosmos aus kleinen läden und ständen , wo noch immer die gleichen waren angeboten werden wie zu den glanzzeiten der seidenstrasse : gewürze ,
trockenfrüchte , nüsse , honig , käse , fleisch , obst und gemüse , haushaltswaren , teppiche und alles , was das herz begehrt , im geordneten chaos aufgereiht.
wir sind im schlaraffenland und schlängeln uns stundenlang duch die engen überdachten gassen mit den jahrtausende alten kuppeln und höfen ,
die damals den reisenden händlern als kavaransareien dienten .
der nachtzug nach teheran ist luxuriös . wir verbringen ein paar tage in der hauptstadt , um uns von den ansträngenden bergetappen zu erholen und den hippen
flair einer modernen metropole einzuatmen .
unvorstellbare mengen an gold und juwelen liegen als stille zeugen der schahära wohlbehütet in der schatzkammer .
im golestan palast bekommen wir ein bild vom prunk eines vergangenen weltreiches .
erst in sari steigen wir wieder auf die räder . 20 meter unter normalnull genießen wir das rollen auf schnurgeraden straßen vorbei an reisfeldern ,
in denen kinder nach schildkröten jagen.
am kaspischen meer fühlen wir uns wie im urlaub , leider ist uns der strand zu dreckig zum baden .
wir lassen das wasser hinter uns und biegen ab in die turkmenische steppe .
es ist jetzt ramadan und wir versuchen unsere picknickdecke mittags dezenter zu plazieren . das ist nicht immer leicht,
denn schattenspendende bäume sind nun seltener .
die ländliche bevölkerung lebt hier in einfachen würfelartigen lehmhäusern , vereinzelt sind noch jurten zu sehen .
wir machen einen abstecher zum mausoleum von khaled nabi . als prophet anerkannt ein pilgerziel für iraner , auch wenn - zum widerwillen gläubiger muslime -
rund herum grabsteine als phallussymbole zum himmel ragen. hügel wie wellen bis an den horizont , die landschaft ist atemberaubend .

im grenzgebiet zu turkmenistan geraten wir häufiger in passkontrollen und befragungen , schließlich verirren sich nicht oft touristen in diese gegend. wir campen auff einem
helikopterlandeplatz unweit vom militärischen sperrgebiet und bleiben entspannt . bei jeder pause sind wir schnell von neugierigen kindern umzingelt und
die erwachsenen sind eifrig um unser wohl besorgt .
Unser visum läuft blad ab und so finden wir uns mit fahrtwind im gesicht auf den ladeflächen von pickups wieder . wir trampen und radeln im wechsel von bojnurd
nach maschhad. Auf dem weg besichtigen wir alte karavansereien, die im sand versunkene stadt belqays und omar khayyams mausoleum in neyschabur , wo wir das fastenbrechen mit hunderten
gläubigen erleben .

In Mashad enstand in den letzten jahren um das imam reza mausoleum ein pompöses pilgerzentrum . Gold , glasmosaike und mamor wohin das auge reicht .
shiiten kommen im massen hierher . es gibt unzählige gebetsräume und der komplex umfasst sieben innenhöfe . auf großbildschirmen laufen religiöse discussionen .
je näher man dem shrine kommt um so andächtiger wird die stimmung . leute sitzen auf teppichen und studieren den koran oder beten sich in trance , es fliessen tränen .
Dann wird kurz der schrein berührt und die erfüllung der wünsche oder um heilung gebeten .

Auf dem weg an die turkmenische grenze haben wir gemischte gefühle .