TADSCHIKISTAN

tadschikistan empfängt uns mit jahrtausende alter geschichte . 
in saraszm stoßen wir auf überdachte ausgrabungsstätten und verbringen die mittagspause mit den dort arbeitenden archäologen . 
kunstvolle knöpfe , tongefäße und mahlsteine aus der frühen bronzezeit 
sind im liebevoll eingerichteten lokalen museum zu bestaunen . 
wir schlagen unser zelt direkt auf dem hügel von pandschakent , 
dem sogenannten pompeji zentralasiens , auf
und finden eine vielzahl glasierter tonscherben und mutmaßlicher steinwerkzeuge zwischen den grashalmen .
auf dem lokalen basar kaufen wir zwei somsas , gefüllte blätterteigtaschen , 
und genießen das rollen auf tadellosem asphalt . 
bei jeder pause werden wir im nu von vielen neugierigen menschen umzingelt . 
tadschikistan ist kinderreich , 
die hello-kids sind einfach überall und grüßen uns aus allen winkeln . 
eselskarren und tatkräftige männer mit spaten kommen uns gut gelaunt entgegen , 
jede noch so kleine anbaufläche wird von den bauern bewirtschaftet . 
während sich der fluss in immer tiefere schluchten windet , spenden die felsnasen
um uns herum wohltuenden schatten . 
auf dem weg zum ersten pass machen wir einen abstecher zum szenisch zwischen hohen bergen gelegenen iskander kul , 
benannt nach alexander dem großen . 
nur den berüchtigten tunnel vor duschanbe trampen wir . 
auf der endlosen abfahrt kaufen wir honig am straßenrand und haben unsere erste begegnung mit kurt , getrockneten frischkäsekugeln - herrlich zu bier . 
im greenhouse hostel in duschanbe ist auch eine hand voll anderer radreisender untergekommen , alle wollen sie den legendären pamir highway machen . 
es werden informationen ausgetauscht und natürlich wird gefachsimpelt über reifenprofil , packtaschen et cetera . 
wir entscheiden uns für die holprige nördliche route und werden mit
imposanter landschaft , herzlichen begegnungen und traumhaften campspots belohnt , 
treffen auf riesige herden von pferden mit echten horsemen und auf zahllose schafe ,
mit den lässigen schäfern verstehen wir uns besonders gut . 
ab kalaikhum begleitet der fluss panj die nächsten sechshundert kilometer unserer reise , er stellt die natürliche grenze zu afghanistan dar .
skurril anmutend , wie die miniaturversion einer anderen realität , liegen dörfer und felder auf der anderen seite . 
die sich darin , darauf und dazwischen bewegenden menschen , tiere und motorräder ziehen unsere aufmeksamkeit auf sich . 
es dauert eine weile , bis sich blicke und gedanken an die neue situation gewöhnen . unglaublich , 
mit welcher kraft die menschen die schmalen landstriche zwischen flussufer und
steil aufragenden bergen bevölkert und kultiviert haben . 
täglich lassen wir uns reife aprikosen und süße maulbeeren schmecken , 
verbringen die heißen mittagsstunden entweder unter dem blätterdach der bäume oder spannen unser mitgebrachtes sonnensegel zwischen die räder . 
chorogh , städtische hauptstadt der autonomen region berg-badachschan , überrascht uns mit erstaunlich modernen jungen menschen .
von allen seiten von gebirgen umschlossen , bleibt als einziger versorgungskorridor von duschanbe nur die schmale unbefestigte straße ,
die auch wir bis hierher zurückgelegt haben . 
der basarverkauf findet von den ladeflächen der staubigen siebenachsigen lastwagen statt , die sich auf der strecke schnaubend an uns vorbeigeschoben haben .
im wakhan valley sammeln sich gewitterwolken an den schneebedeckten gipfeln des hindukusch im süden und der wakhan range im norden . 
die straße wird zu einer herausfordernden waschbrettpiste und
windböen wirbeln uns feinen sand in augen, nasen und ohren . 
am straßenrand tauchen immerwieder religiöse kultstätten auf , deren ursprung wohl auf eine vermischung von zoroastrismus und animismus zurückgeht , geschmückt mit dem imposanten gehörn des steinbocks und des berühmten marcopolo schafs . 
die ruinen der befestigungsanlagen aus dem imperium kuschana werden noch heute von tadschikischen spähsposten zur grenzsicherung benutzt . 
häufig begegnen wir schwitzenden soldaten in dreiergrüppchen ,
mehrmals überholt uns eine schwere kolonne mit gepanzerten militärfahrzeugen . 
in den heißen quellen von bibi fatima baden wir mit den einheimischen ,
natürlich männer und frauen getrennt . 
danach schlüpfen alle in dicke wollsocken und bademäntel ,
um die wohlige und heilende wärme möglichst lange im körper zu halten .
die gläubigen ismailiten in langar bereiten sich auf das diamond jubilee aga khans vor ,
indem sie das ganze dorf mit bunten schleifen, farbenfrohen teppichen und zimmerpflanzen schmücken , die frauen tragen ihre schönste tracht .
familiäre homestays bieten eine erholsame abwechslung zur campingroutine und
liefern interessante einbicke in pamirisches alltagsleben . 
auf dem steilen weg zum "zorkul strict nature reserve" machen wir teepause in einer tadschikischen jurte .
die wettergegerbten schäfer leben den sommer über in einfachen lehmhäusern , auch kirgisische nomaden dürfen ihre yaks auf der hochebene grasen lassen . 
einladungen nehmen wir gerne an und kosten heißen milchtee mit gesalzener butter und frischen yakjoghurt mit selbstgebackenem brot aus dem lehmofen . 
unsere gesammelten russischkenntnisse , ergänzt mit händen und füßen , reichen mittlerweile aus , um uns mit den gastfreundlichen tadschiken auszutauschen . 
auf der immernoch gegenwärtigen anderen seite grasen wilde afghanische kamele ,
dann verlassen wir den grenzfluss .
abenteuerlustig besteigen wir einen kleinen gipfel abseits des weges,
leider entdecken wir keine grasenden marcopolo schafe ,
dafür kreist ein adler enormer spannweite dicht über unseren köpfen .
man erzählt uns vom korrupten geschäft mit den ausländischen jägern ,
die im winter mit viel geld kommen und
mit kostbaren trophäen seltener tiere wieder verschwinden .
der reichtum versickert in den taschen weniger ,
unterstützung für die arme landbevölkerung
kommt nur von einigen ausländischen hilfsorganisationen .
abermals verändert sich die umgebung und
wir finden uns in einer beeindruckenden marslandschaft wieder .
petroglyphen in versteckten höhlen zeugen von ihren einstigen bewohnern . 
fast schon deplaziert in dieser unberührten weite treffen wir auf den nun asphaltierten pamir highway , der uns zurück in die zivilisation führt .
murghab ist das am höchsten gelegene städtchen zentralasiens ,
kein baum weit und breit , kein strom, kein fließendes wasser .
wir schlendern über den containermarkt ,
fleisch und milchprodukte werden aus blechernen jurten verkauft .
der blick fällt auf muztagata , den vater des ewigen eises in china .
ein absurder zaun begleitet uns von nun an zur rechten , er soll die gebietsansprüche der volksrepublik gegenüber tadschikistans demonstrieren .
schließlich haben wir es bis auf das dach der welt geschafft, dem höhepunkt unserer reise ,
nur gegenwind bremst unsere euphorie .
dann streifen wir see und ort karakul ,
blaue farbklekse in dieser unwirtlichen aber traumhaften gegend .
drei kräftezehrende über viertausend meter hohe pässe überwinden wir ,
bevor uns tadschikistan in dreißig kilometer niemandsland entlässt .

später erfahren wir von dem schrecklichen attentat auf der straße kurz vor duschanbe -
vier radreisende kommen dabei ums leben .
auch wenn wir den opfern nicht persönlich begegnet sind ,
sind wir noch tagelang sehr betroffen .

in bildern