JAPAN

sushi , sumo , samurai - japan hat genau das und doch so viel mehr zu bieten .
nippon , das land der aufgehenden sonne , besteht aus vier hauptinseln .
von nord nach süd sind das hokkaido , honshu , shikoku und kyushu .
aufgrund der fortgeschrittenen jahreszeit , mittlerweile haben wir anfang oktober , bereisen wir nur die klimatisch mildere südhälfte des inselstaates .
bei strahlendem sonnenschein laufen wir im hafen von osaka ein , linksverkehr ist gewöhnungsbedürftig .
von den aufgeräumten randbezirken der stadt mit fast dörflichem charakter sind wir überrascht, in den werkstattgaragen wird fleißig geschweißt und geschraubt .
im zentrum hingegen verlieren wir uns in tiefen häuserschluchten , flanieren zwischen einheitlich schwarz gekleideten anzugträger/innen , betreten den ersten für uns skurril anmutenden shintoschrein und entdecken angesagte läden , cafés und teehäuser .
dazwischen japanische trendsetter , die mit ihren farbenfrohen minibikes durch die gegend flitzen .
nachts sind die fußgängerzonen von leuchtreklame taghell erleuchtet und scheinbar jeder besucht noch nach feierabend eine der zahllosen izakayas , kleine und einladende restaurants . über die bebilderte speisekarte sind wir froh und bestellen per fingerzeig okonomiyaki , tischgrillpfannkuchen .
wir begeben uns nach süden auf alte pilgerpfade . plötzlich umgibt uns wilde natur , nur ab und zu kreuzt eine kleine krabbe im seitgalopp unseren weg .
die straße nach koya-san wird zu einer unvergleichlich steilen rampe .
auf der hochebene angelangt , ergattern wir die letzte koje im kapselhotel und dürfen uns dieses kleine raumwunder auch noch teilen .
am nächsten tag wohnen wir der morgenandacht der singenden buddhistischen mönche bei und wandern danach stundenlang über den uralten friedhof , auf dem zahllose versteinerte buddhas mit roten lätzchen und gehäkelten mützen sitzen , und erkunden den weitläufigen tempelkomplex .
um uns herum erstrahlt das herbstlich verfärbte laub in grellen rot- , orange- , und gelbtönen . die japanischen touristen sind auf momigari - auf der jagd nach den roten blättern der ahornbäume .
weiter geht es auf der jahrhunderte alten route des kumano kodu durch die kii berge , die als spirituelles kernland japans gelten und von dichten wäldern überzogen sind . in den tälern fließen glasklare türkisfarbene flüsse , von den bunten stahlbrücken haben wir mysthische ausblicke in die unberührte landschaft .
wir besuchen die heiligen stätten von kumano hongu taisha und kumano hayatama taisha , die teil des kumano sanzan sind , welcher interessanterweise den buddhistischen und den shintoistischen zu einem glauben verbindet . weißes papier , das in form eines blitzes gefaltet ist , markiert die orte , wo die shinto gottheiten gleichsam den unterschiedlichen manifestationen buddhas residieren sollen .
zwischendurch entspannen wir in dampfenden onsen ( das sind von natürlichen heißen quellen gespeiste bäder ) , ernten saftige khaki und duftende mandarinen , stärken uns mit japanischem curry und meisterlich geschnittenem sashimi , fangfrisch aus dem pazifik .
aufgrund des saisonendes der campingplätze und mangelnder alternativen werden wir erfinderisch und schlagen unser zelt immer häufiger auf asphalt oder in versteckten winkeln unweit der straße auf , finden schlafplätze in parks und an rastplätzen .
schließlich erreichen wir das küstenstädtchen ise und den gleichnamigen schrein, der das höchste shintoistische heiligtum japans darstellt .
mittlerweile fangen wir auch an die grundzüge des shintos zu verstehen .
das wichtigste identitätsstiftende merkmal der religion sind die torii , markante tore aus je zwei grundpfeilern und zwei querbalken , die den Zugang zur schreinanlage markieren .
es werden unterschiedlichste religiöse kulte ausgeübt, um die einheimischen gottheiten (kami) , welche die form von menschen , tieren , gegenständen oder abstrakten wesen haben können , zu verehren. soviel dazu.
wir verlassen die kii halbinsel und rollen zurück in die kansai ebene zu den alten kaiserstädten .
in nara füttern wir heilige hirsche und besuchen den sitzenden daibutsu, die größte buddhistische bronzestatue , im todai-ji , dem größten holzgebäude der welt . um etwas ruhe zu finden , schlendern wir durch kunstvoll gestaltete zen gärten .
ausgerechnet in kyoto sind wir kulturmüde und genießen lieber den komfort unserer gemütlichen unterkunft , wandern auf dem historischen philosophenweg abseits des trubels oder lassen uns abends durch das lebendige nachtleben der stadt treiben .
die taifunsaison ist glücklicherweise vorüber . zahllose bäume , abgebrochen wie trockene bleistifte , ragen als opfer heftiger stürme in den freundlichen herbsthimmel , als wir kyoto richtung norden verlassen .
diese region ist sehr dünn besiedelt und ländlich geprägt , nicht nur im heimatmuseum kayabuki  lassen sich traditionelle strohgedeckte bauernhäuser bewundern . bei nieselregen und regenbogen stärken wir uns mit frisch zubereiteten soba nudeln .
die bauern haben sich das unwegsame gelände durch terrassenfeldanbau erschlossen . es werden reis, adzukibohnen , weißer rettich , kohl , spinat , lotuswurzeln und bambussprossen , grüner tee oder zitrusfrüchte angebaut . ab und an kann man im wald auch aufgestellte baumstämme sehen , an denen shiitake gezüchtet werden .
wer keine einzeln verpackten und importierten äpfel im supermarkt kaufen möchte, kommt früher oder später an einem der zahlreichen regionalläden vorbei , die ein unschlagbar frisches sortiment an lokal produziertem obst und gemüse anbieten und gleichzeitig als raststätte an den überlandstraßen dienen .
im küstenstädtchen takeno am japanischen meer sind wir zufällig gerade am hafen , als die kleinen kutter einlaufen und die fischer ihren beachtlichen fang an kalmaren auf blauen planen der größe nach ausbreiten . auch diverse schnecken und japanische riesenkrabben sind hier spezialität , wir verzichten auf derartige delikatessen .
den weißen sandstrand haben wir jetzt in der nebensaison ganz für uns allein . anstatt im kalten meer zu baden , entspannen wir lieber in einem warmen onsen mit meerblick ,wie üblich männer und frauen getrennt.
unser wilder zickzackkurs führt uns wieder nach süden bis himeiji .
weiß strahlt uns die gleichnamige burg entgegen, jahrhundertelang von samurai-kriegern bewacht und von hochentwickelten wehranlagen geschützt, konnte die befestigungsanlage kein einziges mal von feinden eingenommen werden . wie ein schneckenhaus windet sich die alte treppe stockwerk um stockwerk nach oben , strümpfig steigen wir bis in das dachgeschoss der holzburg empor . in unserer phantasie tragen die nun leeren halterungen an den wänden wieder prächtige samurai-schwerter und es kehrt ein reges treiben der krieger um uns herum ein ...
via inselhopping über shodoshima in der japanischen binnensee , rollen wir in takamatsu auf shikoku wieder an land .
auf der gesamten fährüberfahrt sitzen wir wie gebannt vor einem bildschirm , auf dem ein sumowettkampf live übertragen wird - von da an sind auch wir fans dieser emotionsgeladenen sportart .
es wird kälter . nachdem wir uns mit dicken langen unterhosen eingedeckt haben , fahren wir mehrere tage durch das tiefste hinterland , das iya tal . als schwer zugängliches kerbtal diente es früher flüchtlingen und besiegten kriegern als zufluchtsort . berühmt sind die geflochtenen lianenbrücken , die als einzige verbindung zur anderen seite das tiefe flusstal überspannen .
als wir wegen einer baustelle eine umleitung fahren müssen , befinden wir uns zum ersten mal seit beginn unserer reise auf einer straße , die unser gps nicht kennt - und das in japan !
das problem der landflucht ist allgegenwärtig . wir treffen wenige menschen und hauptsächlich alte . es scheint als würde sich die natur die zahlreichen langsam verfallenden häuser zurückerobern .
viel lebendiger ist es in kochi . noch als wir uns im hirome markt einen platz zwischen den essensbuden suchen , werden wir von einer sympathischen gruppe angeheiterter japaner auf bier und fisch eingeladen . desweiteren gibt es hier eine burg , wassertaxis und ein paar extravagante freaks , die ihre individualität den eingestaubten konventionen der mehrheit entgegensetzen .
während wir wieder durch nebelverhangene flusstäler pedalieren , sitzen einsame greifvögel auf verkehrsschildern und halten ausschau nach ihrer nächsten beute . 
im ino-cho papiermuseum lernen wir alles über die aufwendige traditionelle herstellung von washi aus fasern von hanfpflanzen , maulbeer- und papierbaumrinde . es findet noch heute für kunst wie tuschemalerei und buchrestauration verwendung . kleidung und hüte aus papier sind allerdings etwas aus der mode gekommen .
vom historischen kern des kleinstädtchens uchiko sind wir überrascht , herrschaftliche stadthäuser zeugen vom einstigen reichtum ehemaliger kerzenproduktion .
nur das schild der gaststätte "zum schwarzen keiler" irritiert unsere blicke .
eine kurze fährüberfahrt bringt uns nach beppu auf kyushu .
dort gönnen wir uns eine luxuriöse nacht im ryokan , einem japanischen hotel in traditioneller bauweise aus holz und papier .
zur begrüßung darf man sich einen kimono und passende zehensocken aussuchen , die einen später stilecht auf dem weg zum hauseigenen onsen kleiden .
nach einem ausgedehnten heißen bad sinken wir müde und zufrieden auf unsere von der fußbodenheizung vorgewärmten tatamimatten .
die luft ist eisig , die bergspitzen um uns herum vom ersten schnee gezuckert , als wir am nächsten morgen in richtung mount aso aufbrechen .
nach zwei tagen fahrzeit breitet sich die gigantische caldera des supervulkans vor uns aus , dessen letzter ausbruch erst 2016 stattgefunden hat . zu unserem bedauern verpassen wir den blick über den inneren kraterrand , da ausgerechnet jetzt giftige gase austreten und für besucher der zugang zum rundweg gesperrt bleibt .
der herbst liegt in seinen letzten zügen und immer häufiger wärmen wir uns bei einem snack in einem der zahlreichen convenience stores auf oder füllen unsere thermoskanne mit heißem wasser , das dort immer für instant nudelsuppen bereit steht .
mit dieser taktik erreichen wir die hafenstadt fukuoka .
wenn uns nicht gerade der buttersäuregeruch reifer gingkofrüchte in die nase stieg , wird uns japan als das wohlriechendste land unserer reise in erinnerung bleiben . einladender duft von frisch gebrühtem grünem tee und dampfenden speisen , ätherische nuancen von späten blüten und reifen Zitrusfrüchten , schwere schwaden qualmender räucherstäbchen .
japan war nie laut oder aufdringlich , dennoch wirken szenen und begegnungen noch lange nach . die tiefe verwurzelung in Traditionen , die unnachahmliche Höflichkeit , der sinn für ästhetik und der wille zu perfektion haben uns sehr beeindruckt .
hier endet unsere monatelange fahrradreise . voller wehmut verpacken wir unsere räder in kartons , die wir mit der japanischen post zurück in die heimat verschiffen .
gleichzeitig sind wir unermesslich dankbar , dass wir ein solches abenteuer erleben durften und unbeschadet unser selbstgestecktes ziel erreicht haben .
am ende sind selbst wir erstaunt von den 7500 kilometern strecke , die wir zurückgelegt haben , und den unglaublichen 60.000 höhenmetern , die wir aus eigener kraft hochgestrampelt und wieder abgefahren sind .
wir sind gesund und unversehrt , an den rädern mussten wir lediglich die bremsbeläge auswechseln !
von nun an reisen wir mit leichtem gepäck und wollen per see- und landweg zurück nach deutschland kommen .

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